Wachsen wir über uns hinaus

Es ist eine schöne Tradition, dass der Landesvorsitzende der Grünen und gebürtige Wertheimer, Oliver Hildenbrand, immer wieder zu Informationsveranstaltungen seiner Parteifreundinnen und -freunde in den Main-Tauber-Kreis kommt. Zum Landtagswahlkampf war sein Besuch dieses Mal wegen Corona nur virtuell im Rahmen einer Online-Veranstaltung möglich. In der gut einstündigen Videokonferenz stellte der Grünen-Landeschef zusammen mit dem hiesigen Landtagskandidaten Dr. Leonhard Haaf das Wahlprogramm vor und lud zum Austausch darüber ein.

Gerade in dieser besonderen Zeit, die uns allen viel abverlange, sei das Motto der Grünen zum Landtagswahlkampf „Wachsen wir über uns hinaus“ eine starke Botschaft, betonte Hildenbrand einleitend. Er richtete seinen Blick auf vier zentrale Herausforderungen, vor denen Baden-Württemberg in den kommenden fünf bis zehn Jahren stehe. „Die Bekämpfung der Coronakrise mit ihren wirtschaftlichen und sozialen Folgen wird uns alle in den nächsten Jahren heftig fordern“. Hildebrand bezeichnete die Pandemie auch als gigantische Herausforderung für Eltern, da im Bereich der digitalen Bildung vieles hinterherhinke. Die Krise hinterlasse Risse in der Gesellschaft. Daher wünsche er sich nach der Pandemie, in einem Rückblick Fehlentwicklungen aufzudecken, um künftig krisensicherer und besser aufgestellt zu sein.

Klima- und Artenkrise

Als eine ganz große Herausforderung stellte Hildenbrand die ökologischen Krisen heraus. Er sprach von einer Klimakrise und einer Artenkrise. „Wir sind die erste Generation, die die Folgen der Klimakrise hautnah zu spüren bekommt und gleichzeitig die letzte, die noch etwas dagegen tun kann“, erinnerte der Parteivorsitzende. Er rief dazu auf, das Klima zu schützen und die Energiewende voranzutreiben. „Wir haben schon viel erreicht in Baden-Württemberg, wollen aber in den kommenden Jahren noch einmal an Tempo zulegen.“

Als dritten Themenbereich präsentierte Hildenbrand die Vorschläge zu einer sozialökologischen Transformation der Wirtschaft und Gesellschaft. Wirtschaftlicher Erfolg, ökologische Verantwortung und soziale Gerechtigkeit zusammenzudenken sei die Leitschnur, der wir folgen sollten, um eine gute Zukunft zu gestalten, appellierte er. Die klimafreundliche Mobilität stehe hier ganz oben. „Unser Anspruch muss es sein, dass wir Baden-Württemberg vom Autoland Nummer eins zum Mobilitätsland Nummer eins entwickeln“, machte der Parteichef deutlich. Dabei gehe es jedoch nicht nur um eine Antriebswende, sondern um eine richtige Mobilitätswende. Hildenbrand: „Wir müssen in Baden-Württemberg künftig klimafreundlich mobil sein und unterschiedliche Verkehrsträger besser miteinander vernetzen.“ Die Grünen wollen insbesondere für den ländlichen Raum eine Mobilitätsgarantie realisieren, die alle Städte und Gemeinden mindestens stündlich miteinander verbinde.

Den Zusammenhalt stärken

Als vierte große Zukunftsaufgabe der Grünen im Land gab der Redner Antworten auf die Fragen „Wie gestalten wir ein gutes Miteinander? Und wie stärken wir den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft?“ Er versprach, dass die Grünen ihren Leitgedanken des ‚Gehörtwerdens‘ in den kommenden Jahren neu mit Leben füllen werden. Mit einem breit organisierten Bürgerdialog sollen laut Hildenbrand die Menschen im Land zum Mitgestalten eingeladen werden. Darüber hinaus wollen die Grünen die Betroffenen von Hetze und Ausgrenzung in einem Aktionsplan solidarisch unterstützt. „Im Rahmen der Prävention wollen wir an allen Schulen des Landes diversity-Beauftragte einrichten, die dabei helfen sollen, im Schulalltag durch Gespräche und Begegnungen Vorurteile und Feinbilder abzubauen.“

Im Hinblick auf den amtierenden Ministerpräsidenten unterstrich Oliver Hildenbrand, dass es gerade in einer Zeit von großen Umbrüchen enorm wichtig sei, „an der Spitze eines Landes jemanden zu haben, bei dem man wisse, woran man ist und der bewiesen hat, dass er es kann.“ Nach zehn Jahren an der Regierung freute sich der Landesvorsitzende, der im Stuttgarter Norden selbst für die Landtagswahl kandidiert, zudem sehr darüber, dass sich immer mehr neue Mitglieder den Grünen im Land anschließen.

Digitalisierungsschub durch Corona

In einem regen Austausch, moderiert vom Kreisvorsitzenden Corvin Schmid, zeigte sich auch der Landtagskandidat der Grünen Main-Tauber, Dr. Leonhard Haaf, überzeugt davon, dass das Land gestärkt aus der Coronakrise hervorgehen werde. Als Beispiel nannte er den umfassenden Digitalisierungsschub. So habe eine Studie bewiesen, dass aktuell rund drei Viertel der Unternehmen in Deutschland ihre Investitionen in digitale Technologien und Anwendungen erhöht hätten.

Kreistagsmitglied Rainer Moritz brachte beim Thema Mobilitätsgarantie seine Sorge darüber zum Ausdruck, dass dieses Versprechen nach drei Jahren Probebetrieb einer Regionalbahn zwischen Osterburken und Würzburg wegen der verlangten Fahrgastzahlen möglicherweise nicht verlängert werden könnte. Er appellierte an die künftige Landesregierung, im ländlichen Raum andere Maßstäbe anzusetzen. Die E-Mobilität, Bildungsgerechtigkeit in der Coronakrise, der gesellschaftliche Zusammenhalt, die Flächenversiegelung, die Direktwahl der Landräte und eine Landtagsreform waren weitere Themenfelder, die von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Videokonferenz ausführlich mit Oliver Hildenbrand diskutiert wurden.


Eine Aufzeichnung der Videokonferenz können Sie hier ansehen:

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